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Ein subjektiver Erfahrungsbericht zum CCFE - Berner auf Abwegen in Zürich

Kurz gesagt:

Ein tiefgehender Rückblick auf den CCFE-Kurs in Zürich – geprägt von spannenden Diskussionen, grundlegenden Fragen zur Infrastruktur und intensiven Einblicken aus drei vollgepackten Tagen in der Fintech- und Bitcoin-Welt.

Das Kryptoversum ist ein stetig wachsendes Konstrukt, irgendwo zwischen Revolution und Skepsis. Doch wie fühlt es sich an, in diese Welt einzutauchen? In diesem wachsenden Erfahrungsbericht nehme ich euch mit durch alle drei Tage meiner CCFE-Ausbildung in Zürich.

Tag 1 – Zwischen Schweizer Ruhe und digitaler Revolution

Ankunft und Erwartungen

10:00 Uhr, Reitergasse 9, ein Nebengebäude unweit der HWZ in Zürich. Beton, Glas, klare Linien. Kein Startup-Loft, keine Neonreklame. Wer hier ankommt, fühlt sich dennoch sofort richtig. Vielleicht liegt es an dieser Zürcher Mischung aus Diskretion und Selbstverständlichkeit. Man muss hier nichts beweisen.

Draussen das gewohnte Stadtbild: Menschen mit zielgerichtetem Schritt, Trams im Takt, Business-Kleidung in gedeckten Farben. Drinnen gespannte Stille. Man spricht leise, fast vorsichtig, als würde man sich erst noch versichern wollen, auf welchem Terrain man sich hier bewegt. Drei Tage Krypto. Drei Tage zwischen Neugier und innerem Widerstand.

Der Einstieg durch Nadia Licci bleibt bewusst niedrigschwellig. Freundlich aber bestimmt. Ein Geschmack von Effizienz, das macht neugierig.

Nadia Licci ist Business Managerin beim CCFE. Dass sie in Zürich eine eigene Naturheilpraxis führt, ist nicht nur spannend, sondern verdeutlicht wunderbar: Ein Faible für Krypto setzt keine rein technisch-informatische Laufbahn voraus.
Key Takeaway: CCFE ist ambitioniert gestartet und hat sich bewährt. Zum Tag meiner Schulung haben ca. 1000 Teilnehmer bereits die Zertifizierung durchlaufen. Ob Kick-Off oder Ausweis für Fachwissen in der Branche, Business und Privat. Man will Standards setzen.

Danach: Gesichter, Blicke, kurze Selbstvorstellungen. Die meisten kommen aus der Finanz- und Versicherungswelt. Einige sind geschickt worden, Weiterbildung steht vermutlich nüchtern im Outlook. Andere sitzen hier aus echtem Interesse. Das Vorwissen bewegt sich auf solider Einsteigerbasis. Viele haben schon einmal Bitcoin oder Ether gekauft, oft mit einem leicht verschwörerischen Lächeln. Manche noch nie.

Und dann sind da die Skeptiker. „Krypto ist doch ein Casino.“ Der Satz fällt erstaunlich offen, immerhin sitzen wir in einer Krypto Weiterbildung, aber Konsens war hier nie Teilnahmevoraussetzung. Kein Flüstern, keine Ironie. Solche Momente schärfen den Diskurs. Reibung legt Argumente frei.


Kickoff: Das grosse Ganze - Krypto und Fintech

Den Auftakt macht Rino Borini mit einem Panorama über Krypto und Fintech. Kein Missionieren, kein Pathos. Stattdessen Einordnung. Marktstrukturen, Regulierung, institutionelle Akteure, Kapitalströme. Man merkt, hier spricht jemand, der die Szene nicht nur von Konferenzen kennt, sondern aus Jahren gelebter Entwicklung.

Rino Borini ist Schweizer Unternehmer, Co-Founder von Finance 2.0 sowie dem House of Satoshi und treibt als Dozent an der HWZ die Digital-Finance-Bildung aktiv voran. Souverän und immer mit einer Anekdote auf Lager.
Key Takeaway: Während die Presse laut ist und wieder das Geldwäsche und Gangster-Narrativ fährt, baut die Branche weiter im Hintergrund Infrastruktur und Partnerschaften auf.

Es geht um das grosse Bild. Wie sich Finanztechnologie schleichend vom Rand ins Zentrum bewegt hat. Wie aus idealistischen Whitepapers Geschäftsmodelle wurden. Wie Banken, die früher abwinkten, heute Strategiepapiere schreiben.

Im Raum entsteht ein konzentriertes Zuhören. Man spürt, wie sich die Perspektive verschiebt. Weg vom Schlagwort, hin zur Infrastruktur. Weg vom Hype, hin zur Strukturfrage. Wer baut eigentlich die Fundamente dieser neuen Finanzarchitektur? Und wer steht nur auf der Bühne?

Was mich wieder beschäftigt: Viele der heutigen Branchenstimmen waren einst Exoten. Visionäre wirken am Anfang oft wie Störenfriede. Erst später nennt man sie Pioniere. Innovation entsteht selten dort, wo alle klatschen.


Deep Dive: Die offene Infrastruktur von Bitcoin

Nach der Pause wird der Ton technischer. Jetzt geht es ausschliesslich um Bitcoin. Den Talk macht Alain Imhof. Kein Nebenschauplatz, kein Token-Zoo. Nur das Protokoll.

Alain Imhof ist Gründer von Imhof Digital, wo er Bitcoin-Beratung mit AI-Prototyping verbindet und technische Tiefe mit klarer, hype-freier Praxisorientierung vereint. Ruhig und analytisch.
Key Takeaway: Bitcoin bleibt Referenzpunkt im Markt. Keine maximalistische Positionierung, sondern differenzierte Einordnung.

UTXO-Modell, Mempool, Transaktionsgebühren, Konsensmechanismus. Wir öffnen Block Explorer, verfolgen Transaktionen in Echtzeit, beobachten, wie sich der Mempool füllt und leert. Aus dem diffusen Begriff „Kryptowährung“ wird eine sichtbar arbeitende Maschine. Transparent, regelbasiert, unbestechlich in ihrer Logik.

Im Raum kippt die Stimmung von vorsichtiger Skepsis zu ernsthafter Auseinandersetzung. Fragen kommen schneller, werden präziser:

  • Wo liegt der ökonomische Anker?
  • Welche Rolle spielt der Staat in einem System, das keinen braucht?
  • Und vor allem: Braucht es das überhaupt?

Wir überziehen. Natürlich. Bitcoin ist kein Thema für Punkt 17:00 Uhr. Jede Antwort öffnet ein neues Kapitel. Man merkt, wie selbst die Skeptiker beginnen, differenzierter zu argumentieren. Das Casino-Narrativ bekommt Risse.


Ausklang: House of Satoshi

Am Abend dann Apéro im House of Satoshi. Ein Ort, der wirkt, als hätte jemand Punkästhetik mit Finanzinfrastruktur gekreuzt. Ornament-Teppich, sichtbare Technik, Mainboards im Schaufenster. Draussen die Laufhausstrasse, mit ihrem ganz eigenen Zürcher Subtext.

Durch die grosse Fensterfront schauen Passanten neugierig hinein. An der Bushaltestelle wird getuschelt. Menschen in Anzügen stehen zwischen Hardware und Bitcoin-Merchandise. Manche draussen mustern die ausgestellten Geräte und scheinen zu denken: Irgendwas mit Internet. Wahrscheinlich kompliziert.

Dieses kollektive Schulterzucken kenne ich gut. „Kenne ich mich nicht aus.“ Genau deshalb existieren solche Orte. Zwischen Rotlicht und Retail entsteht hier Finanzbildung mit Espresso.

Drinnen wird diskutiert, gelacht, argumentiert. Die Gedanken wechseln schnell ihre Besitzer. Danach huschen alle zwischen Bier und einem Sandwich-Happen in Zug, Auto oder Hotelzimmer. Jeder mit eigenen Fantasien und Plänen wie er das alles mal für sich nutzen wird.


Fazit Tag 1

Skepsis ist da. Neugier ebenso. Und dazwischen dieser leise, aber spürbare Moment der Verschiebung. Wenn aus einem abstrakten Schlagwort eine ernstzunehmende Infrastruktur wird.

Zürich gibt sich äusserlich unbeeindruckt. Rund um den Hauptbahnhof verdichtet sich der Abendverkehr, Lieferwagen halten, Lichter gehen an, das Nachtleben nimmt Form an. Zwischen Bars, Clubs und Kartenterminals läuft der Zahlungsverkehr routiniert weiter. Ob dabei auch Krypto eine Rolle spielt, bleibt offen, ganz ausgeschlossen wirkt es nicht.


Tag 2 - Unsichtbare Märkte, die plötzlich anders funktionieren

2 Stunden früher im Morgengrauen um 8:15 Uhr schiebt sich der Tross der Büroarbeiter durch die Strassen um den Zürcher Bahnhof. Gedankenverloren, mit Kopfhörern und in Mäntel gekleidet an ihre Plätze getragen.

Der Fokus verschiebt sich. Weg von der monetären Ursprungsidee hin zur Infrastruktur. Web3 als Anwendungsschicht. Protokolle statt Narrative.


Vortrag: Blockchain 2.0: Smart Contracts Platforms & DeFi & AI

Gian führt strukturiert durch die Folien und setzt den Rahmen. Konsensmechanismen, Skalierungsansätze, Token-Design. Adrian unterbricht, stellt Fragen, dreht Perspektiven. Theorie und Praxis im Wechsel. Das Publikum bleibt zunächst vorsichtig, doch mit jeder Folie werden die Wortmeldungen technischer, präziser.

Inhaltlich entfernen wir uns klar von Bitcoin. Es geht um Smart-Contract-Plattformen, um Stablecoins als Brücke zwischen Krypto und Fiat, um Protokolle wie Aave oder Hyperliquid. Märkte, Liquidität, Hebel, Rendite. Dezentral organisiert, aber ökonomisch eindeutig.

Adrian Fritz und Gian Stadelmann (21 Shares)
Key Takeaway: DeFi muss erlebt werden. Nicht nur verstanden, sondern genutzt. Der Zugang beginnt oft mit unvollständigem Wissen. Lernen durch Interaktion, nicht durch Distanz.

Der Vergleich zur traditionellen Finanzwelt bleibt nicht aus. Die CME Group als Referenzpunkt. Der implizite Wettbewerb um Derivatevolumen, Marktanteile und Gebührenströme. Wer Umsätze generiert, ist definitionsgemäss mehr als nur Ideologie. Auch wenn Kritik an Struktur, Transparenz und Nachhaltigkeit bestehen bleibt.

Und zu guter Letzt darf auch AI-Hype nicht fehlen. In einer offenen Diskussion werden Fragen ans Publikum gestellt, wohin die Reise wohl gehen wird. Fragen die auch die Unternehmer selbst intern beschäftigen wie sie mit uns teilen. Eine nicht ganz offensichtliche Verbindung. Hype und Hype kann aber in diesem Fall tatsächlich von Nutzen sein, denn Krypto ist vor allem kompliziert und agentische Werkzeuge können uns ins Zukunft eine Menge dieser Komplexität ersparen.


Vortrag: Crypto in Portfolio

Die Diskussion verschiebt sich. Weg von Protokollen, hin zu Portfolios. Weg von Code, hin zu Kapitalallokation. Die Sackos sind angezogen, wir sind im Banking – und ich merke, wie sich auch mein Blick automatisch mitverändert.

Technik tritt in den Hintergrund. Entscheidend ist die Bänker‑Perspektive: Ist Krypto eine eigenständige Assetklasse? Eine Unterkategorie von Alternatives? Oder schlicht Hochrisiko‑Beta mit neuer Verpackung? Genau an dieser Frage bleibe ich innerlich hängen.

Fabio Cavelti spannt den Bogen über die eigene Entstehungsgeschichte – eine Zürcher Freundschaft, die in ein belastbares Geschäftsmodell mündet. Kein Pathos, kein Silicon‑Valley‑Habitus. Sachlich, fast zurückhaltend. Gerade diese Nüchternheit macht es für mich glaubwürdig.

Auffällig ist die Tonalität: ruhig, datenbasiert. Preisverlauf, Volatilität, Korrelationen – insbesondere im Krisenumfeld. Ich ertappe mich dabei, weniger an Visionen zu denken, mehr an Drawdowns. Die Schlussfolgerung bleibt differenziert. Krypto ist weniger Narrativ, mehr Infrastruktur. Ein System mit spezifischen Risiko‑ und Renditetreibern.

Weniger Wortmeldungen aus dem Publikum. Mehr Konzentration. Für mich inhaltlich einer der relevanteren Blöcke – gerade weil er ohne grosse Gesten auskommt.

Tim Stingelin & Fabio Cavelti (T4 Capital Ltd.)
Key Takeaway: Krypto wird als potenzieller Portfolio‑Baustein eingeordnet – mit eigenständigem, anspruchsvoll zu bewertendem Risiko‑Rendite‑Profil.


Use Case: Maerki Baumann

20 Jahre Investment‑Banking‑Erfahrung im Raum. Der Ton wird konservativer. Klassisches Private Banking, klassischer Risiko‑Rahmen – und die Frage, wie Krypto dort sauber verortet wird.

Auf den ersten Blick unspektakulär. Tatsächlich jedoch aufschlussreich: So denkt eine etablierte Bank institutionell über die Anlageklasse. Prozesse, Risikobudgets, Allokationsgrenzen. Kein Experimentierfeld, sondern strukturierte Integration.

Konstantinos Ntefeloudis argumentiert konsequent aus Portfolio‑Sicht. Kein Gold‑Ersatz, kein Inflationsschutz‑Narrativ, sondern eine eigenständige Anlageklasse. Effizienzkurven, strategische Asset‑Allokation, Korrelationseigenschaften. Terminologie und Denkmuster sind klar im Portfolio‑Management verankert.

Der Grundton bleibt konsistent: Bitcoin fungiert als Referenz‑Asset innerhalb der Anlageklasse. Diversifikation erfolgt um Bitcoin herum, nicht an ihm vorbei. Wer Krypto allokiert, kommt an Bitcoin nicht vorbei.

Für Maerki Baumann ist Krypto strategisch verankert. Kein kurzfristiger Trend, sondern Bestandteil der langfristigen Vermögensarchitektur.

Konstantinos Ntefeloudis (Maerki Baumann)
Key Takeaway: Beimischung von Krypto ist (eigentlich) ein No-Brainer.


Vortrag: Staking

Bitcoin Suisse ist kein unbekannter Player. Sie zählen dabei schon fast zu den konservativen im nicht so konservativen Krypto-Sektor. Saubere cleane UI, kein Hacker-UI, wie man es von anderen Krypto-Plattformen kennt. Aber immer mehr Anbieter fahren die ruhige Schiene. Krypto wird eben erwachsen. Bitcoin Suisse ist schon früh in diese Nische gegangen. Institutionell, wenn der Markt früher auch deutlich kleiner war als heute. Sie sind gewissermassen Vorreiter in Wahrnehmung, Branding und Design wie ich finde. Mein erster Eindruck als ich das erste Mal mit dem Flugzeug am Flughafen Zürich landete war "Bitcoin Suisse" als grossflächige Werbung direkt beim Ausgang. Das war und ist ein echtes Statement. Und das hat Wirkung, bis heute.

Beim Staking sind sie früh dabei gewesen. Aber wer Details kennt, weiss dass Staking kein einfaches Finanzprodukt ist. Es muss Infrastruktur betrieben werden, professionell und ohne Downtime. Sich darauf zu committen ist eine grosse Sache. Weil Kapital gefährdet ist, wenn die Infrastruktur nicht stimmt.

Roman Vollenweider (Bitcoin Suisse Liechtenstein)
Key Takeaway: Staking etabliert sich als struktureller Bestandteil des Krypto‑Ökosystems – als Investment jedoch mit schrittweiser, noch nicht flächendeckender Akzeptanz


Vortrag: Deep Dive-Tokenization

Hilfe kommt aus dem Raum Bern um den Teilnehmern die Tokenization näher zu bringen. Token-Standards und die Bedienung wird beleuchtet. Thierry Hess hat einen Track Record aus dem Banking und weiss wovon er spricht. Das Unternehmen vision& ist ein Spin-Off der Universität Bern. Und vertreibt auch im Springer-Verlag ein Buch über Tokenisierung.

Wir Zuhörer bekommen wirklich viel geboten was den Schweizer Markt anbelangt. Wer experimentiert mit welchen Methoden? Wie sieht die Zukunft aus, was kann man erwarten? Welche Vorteile hat ein Digital Twin?

Thierry Hess (vision&)
Key Takeaway: Tokenisierung ist seit langem auf dem Schirm, es ist die Regulierung die jetzt erst nachzieht.

Fazit Tag 2

Der zweite Tag gehörte ganz den Bankern und Vermögensverwaltern. Ruhiger, theoretischer und weniger disruptiv als der erste Tag. Aber nicht weniger wichtig. Denn es geht um die Integration von Krypto in bestehende Strukturen.


Tag 3 - Ist das jetzt alles legal?

Der dritte Tag beginnt später. Die Gespräche auch. Man merkt: Die Gruppe ist angekommen. Zwischen Espressotassen und Namensverwirrung wird nicht mehr gefragt, was Bitcoin ist, sondern wie sich Agenten parametrisieren lassen. Krypto und AI – ein Begriffspaar, das derzeit überall fällt. Hier allerdings nicht als Schlagwort, sondern als Werkzeug.

Es ist eine interessante Verschiebung. Menschen, die beruflich in klaren Strukturen denken, diskutieren plötzlich autonome Systeme, selbst ausführende Verträge, maschinelle Zahlungsströme. Die Box steht noch, aber der Blick geht darüber hinaus. Was in den letzten zwei Tagen vorgestellt wurde, wirkt in der Kombination mit AI‑Agents wie ein Beschleuniger: Wenn Zahlungen programmierbar sind und Entscheidungen automatisiert getroffen werden, rückt Krypto funktional in den Vordergrund. Nicht als Narrativ, sondern als Infrastruktur.

Passend dazu das Leitthema des letzten Tages: Regulierung. Und damit ist auch eine Frage beantwortet, wie lang eine gute Zertifizierung gehen sollte: 3 Tage.

Nun. Wie bringt man das regulatorisch zum Fliegen?

In den Kaffeepausen werden Grenzfälle seziert:

  • Wenn ein Agent im Zahlungsverkehr einen Fehler macht – wer haftet?
  • Wie werden private Schlüssel im Erbfall behandelt?
  • Ist ein autonom handelnder Smart Contract ein Dienstleister, ein Tool oder etwas Drittes?

Die Technik scheint bereit zur Automatisierung. Die Rechtsordnung arbeitet sich heran. Genau in diesem Spannungsfeld endet der Kurs – nicht mit Euphorie, sondern mit der nüchternen Erkenntnis, dass Innovation erst dann skaliert, wenn sie juristisch belastbar wird.


Vortrag: Regulation & Compliance & Travel Rule

Tina Balzli führt die Zuhörer durch die Besitzrechte von Krypto. Wem gehört ein gestaktes Asset rechtlich? Welche Verpflichtungen hat ein Emittent von Token?

Extrem spannend waren die Einblicke wie innerhalb von Krypto-Unternehmen Custody geschieht, wo die Herausforderungen liegen technisch wie auch vor allem regulatorisch. Denn Kunden wollen ihre Assets sicher verwahrt wissen, Anbieter möchten Flexibilität bei der Verbuchung. Kunden möchte Krypto-Assets, aber im Hintergrund spielen Konkursrisiken und Einlagensicherung eine gewaltige Rolle in den Institutionen.

Der Vortrag war definitiv Teil vom heavy lifting, muss sein und interessant trotz seiner thematischen Schwere.

Tina Balzli (CMS)
Key Takeaway: Mittelherkunft ist ein grosses Thema und Krypto kann sogar helfen, die Herkunft nachzuweisen.


Vortrag: Steueraspekte von Crypto Assets

Das Thema Steuern ist nicht bei allen gleich beliebt. Krypto startete als Cypherpunk, gegen das System. Das System gegen das sie ankämpfen und das sie nicht ernst nimmt, will aber heute mitverdienen. Aber das war nie anders, Steuern sind eine Tatsache.

Und in Krypto nicht immer ganz einfach. Aber es gibt Lösungen. Auch zur Ermittlung übrigens. Stéphanie Fuchs gibt einen erfrischenden Überblick, worauf es ankommt. Mit hilfreicher Gestik und viel Freundlichkeit werden wir durch die Thematik geführt, wie von einer guten Bekannten, die uns vor Ärger bewahren will.

Die Schweiz agiert hier nicht einheitlich. Bekanntlich macht jedes Kanton gern sein eigenes Ding und das ist super, es schafft Konkurrenz und setzt Ansätze in einen strengen Wettbewerb.

Meine persönliche Vision wäre, eine Smart Wallet (komplett On-Chain), wo die Behörden schon dran sind und meine Transaktionen automatisiert erfassen und in der finalen Ausbaustufe werden die Steuern automatisch abführen.

Go Switzerland 🇨🇭!

Stéphanie Fuchs (Fuchs Consulting)
Key Takeaway: Krypto‑Assets sind steuerlich kein rechtsfreier Raum, aber es ist alles immer noch in Bewegung auch innerhalb der Schweiz lernen Behörden noch voneinander.


Vortrag: Crypto Compliance & Blockchain Forensic

Der Vortrag ist auf Englisch und geht in die Tiefe der Ermittlung von Verbrechen im Krypto-Space. Namenhafte Player am Markt sind alle schon Hacks ausgesetzt gewesen. Wir wissen das, die Presse weist uns immer gern darauf hin, wie schlimm es ist. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Es gibt Tools und es gibt Experten, die helfen können.

So bildet sich eine gesamte Wirtschaft rund um Krypto heraus. Innehalten und das mal sacken lassen. Wer nicht an Krypto glaubt: Diese Unternehmen existieren trotzdem, seit Jahren. Und sie werden immer besser und relevanter.

Ich denke mir: Ok, Casinos brauchen eben auch Sicherheit. Wenn das nicht überzeugend ist, jedenfalls kann man schwer hier nach 2,5 Tagen die Relevanz von Krypto in Frage stellen.

Patrick Prinz (Recoveris)
Key Takeaway: Finanz-Verbrechen existieren auch ohne Krypto. Aber jetzt hinterlassen sie eine Spur für immer. Aber sie werden wahrscheinlich auch immer häufiger.


Use Case: Verwahrung von Krypto Assets bei LUKB

Den letzten Vortrag macht Serge von der Luzerner Kantonalbank um die letzten 3 Tage nochmal abzurunden. Er erinnernt daran wie die Woche gestartet hat und welche Reise wir gedanklich hinter uns haben.

Informationen wirken bekannt, nach zahlreichen Vorträgen kann man mit jedem Thema in den Slides etwas anfangen, hat eine Meinung dazu gebildet und diskutiert in den kleinen Pausen.

Die Flughöhe des Vortrags ist aus bankinterner Sicht. Welche Wellen schlägt die Einführung digitaler Assets konkret? Wie viel Personal braucht es, wo waren die grössten Herausforderungen?

Serge Kaulitz (LUKB)
Key Takeaway: Die sichere Verwahrung von Krypto‑Assets ist für Banken ein vollwertiges Infrastruktur‑ und Regulierungsthema mit substanziellen Auswirkungen auf Organisation, Prozesse und Risikomanagement.


Fireside Chat: Luzius Meisser & Rino Borini

Kein versöhnlicher Abschluss, sondern eine Standortbestimmung. Im Zentrum: Stablecoins, die Neuordnung des Finanzsystems und die Rolle der Schweiz.

Die Schweiz, lange als Vorreiter positioniert, wird kritisch hinterfragt. Hat sie ihren Vorsprung verspielt? Gleichzeitig steht Europa unter Druck: regulatorisch ambitioniert, operativ oft langsam. Wer stark reguliert, setzt Standards, riskiert aber, Innovationszyklen zu bremsen.

Der Blick geht in die USA. Dort wird Tempo gemacht: Infrastruktur, Kapital, Marktdurchdringung. Europa reagiert häufig, statt zu führen.

Der Workshop endet mit unterschiedlichen Haltungen: Skeptiker bleiben skeptisch. Andere sehen klarer, dass digitale Assets und Stablecoins strukturelle Fragen an das bestehende Finanzsystem stellen, gerade für einen Finanzplatz wie die Schweiz.

Luzius Meisser / Rino Borini
Key Takeaway: Die strategische Positionierung der Schweiz im globalen Wettbewerb um digitale Finanzinfrastruktur ist offen. Wenn wir nicht aufwachen findet Innovation weiter woanders statt.

FAQ (Häufig gestellte Fragen)

Der Kurs richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus der Finanz-, Banking- und Versicherungswelt sowie an alle, die sich fundiertes Wissen über Kryptowährungen, Blockchain und digitale Finanzinfrastruktur aufbauen möchten. Auch Quereinsteiger ohne IT-Hintergrund sind willkommen – ein Faible für Krypto setzt keine rein technisch-informatische Laufbahn voraus.

Nein. Das Vorwissen der Teilnehmer variiert stark: von Personen, die noch nie Krypto gehalten haben, bis hin zu solchen mit eigenen Erfahrungen mit Bitcoin oder Ether. Der Kurs holt alle auf einer soliden Einsteigerbasis ab. Vorkenntnisse helfen, sind aber keine Voraussetzung.

Der Kurs erstreckt sich über drei intensive Tage mit klaren thematischen Schwerpunkten: Tag 1 widmet sich den Grundlagen und dem Bitcoin-Protokoll, Tag 2 den Anwendungsschichten (DeFi, Portfoliointegration, Staking, Tokenisierung) und Tag 3 dem regulatorischen und rechtlichen Rahmen. Jeder Tag wird von wechselnden Referenten aus unterschiedlichen Bereichen der Branche begleitet – von Unternehmern über Banker bis hin zu Juristen und technischen Spezialisten.

Das Spektrum ist breit: Krypto und Fintech im Überblick, Bitcoin-Protokoll (UTXO, Mempool, Konsensmechanismus), Smart-Contract-Plattformen, DeFi, Stablecoins, Krypto im Portfolio, Staking, Tokenisierung, AI & Krypto-Agents sowie die Schnittstelle zu Regulierung, Steuerrecht, Compliance, Blockchain Forensik und sicherer Verwahrung von Krypto-Assets.

Nein. Neben Vorträgen gibt es praktische Elemente – etwa das Nachverfolgen von Live-Transaktionen im Block Explorer. Vor allem aber sind die Referenten Praktikerinnen und Praktiker aus dem echten Betrieb: institutionelles Banking, Krypto-Infrastruktur, Vermögensverwaltung, Recht und Steuerberatung. Der Austausch mit ihnen gehört zum Kernwert des Formats.

Ja, explizit. Der dritte Tag ist vollständig dem rechtlichen und regulatorischen Umfeld gewidmet: Besitzrechte von Krypto-Assets, Custody-Anforderungen, Travel Rule, Compliance, Blockchain Forensik sowie steuerliche Aspekte in der Schweiz (inkl. kantonale Unterschiede). Gerade für Personen aus dem Banking oder der Rechtsberatung ist dieser Teil besonders relevant.

Ja. Der Kurs ist kein Missionierungsprogramm. Skeptische Perspektiven – bis hin zur Aussage „Krypto ist doch ein Casino" – sind willkommen und werden offen diskutiert. Das Aufeinanderprallen verschiedener Standpunkte schärft den Diskurs und macht ihn wertvoller.

Ja. Neben den Kursinhalten gibt es informelle Formate wie den gemeinsamen Apéro im House of Satoshi, bei dem sich Teilnehmer und Referenten in lockerer Atmosphäre austauschen können. Viele der interessantesten Gespräche finden genau dort statt.

Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende die CCFE-Zertifizierung. Zum Zeitpunkt meiner Teilnahme hatten bereits rund 1.000 Personen die Zertifizierung absolviert – aus Banking, Versicherung, Recht und weiteren Branchen. Das Zertifikat positioniert sich als Standard für nachweisbare Fachkompetenz im Bereich digitale Finanzwerte.